Karstadt Ruhr-Marathon 2007

oder: warum tue ich mir das eigentlich an? Die Begründung ist einfach: Auch in der Euphorie sollte man nachdenken, bevor man folgenschwere Statements abgibt.

17. April 2005, Bottrop: Meine beiden älteren Brüder gehen beim 3. Ruhrmarathon 2005 an den Start. Eigentlich hat mich das gar nicht interessiert, gelaufen sind die immer, Marathon auch schon vorher, und ob die jetzt quasi bei uns vor der Haustür vorbeilaufen, war mir eigentlich egal. Doch nachdem an dem Sonntag morgen jeder beim Marathon gucken wollte, ging ich mit. Wir standen mit einigen Leuten, die wir kannten, in Bottrop am Volkspark Batenbrock, mit dabei meine Freundin, meine Schwester, meine Schwägerin mit Tochter und ein guter Freund meiner Brüder. Meine Schwägerin und der Freund meiner Brüder wollten den beiden hinterher fahren und mehrfach an der Strecke stehen und die beiden anfeuern, der Rest wollte einfach mal einen Marathon aus der Nähe sehen.

Und dann ging es los: Die Profis liefen vorbei, die ersten Läufer, die Massen wurden immer mehr, die Stimmung an der Strecke immer besser. Als meine Brüder vorbeikamen, hat uns die Stimmung so mitgenommen, das wir mit den beiden anderen zusammen uns auf den Weg nach Gladbeck machten, um auch dort an der Strecke gucken zu gehen. Und wieder war die Stimmung super, es waren immer mehr Leute an der Strecke, und wieder kamen meine Brüder vorbei. Wir sind anschließend wieder ins Auto gehüpft, nach Gelsenkirchen gefahren und uns wieder an die Strecke gestellt. Von da aus ging es weiter zum Ziel nach Essen. Die Stimmung war der Hammer, wir hatten Spaß, meine Brüder haben sich über die Strecke gequält. Als sie irgendwann aus dem Zielbereich herauskamen, haben sie sich für die Unterstützung bedankt. In meinem jugendlichen Leichtsinn und in der Euphorie kam dann von mir die Aussage, dass ich ja beim nächsten Mal auch mit laufen würde, wenn mir jemand die Laufschuhe sponsorn würde.

Das hätte ich besser nicht getan, eigentlich hätte ich meine Brüder besser einschätzen müssen. Sie schauten sich an und dann kam die Aussage: "Alles klar, wir gehen nächste Woche Schuhe kaufen." Damit war das Problem geschaffen. Gelaufen war ich schon mehrere Jahre nicht mehr, habe davor zwar jahrelang Orientierungslauf betrieben, das aber aufgegeben, als ich dafür richtig intensiv hätte trainieren müssen, um weiter in der Spitze mithalten zu können. Auch das Einradfahren hatte ich zu dem Zeitpunkt aus Motivationsgründen aufgegeben und war ein knappes Jahr vorher aufs Rennrad umgestiegen. Denn Laufen, darauf hatte ich so gar keine Lust. Doch jetzt musste ich wieder laufen, denn ohne Training gibts auch keinen Marathon. Und zu seinem Wort muss man stehen.

Dementsprechend schnüre ich seit knapp anderthalb Jahren mehr oder weniger regelmäßig die Laufschuhe, versuche, meinen Puls unter Kontrolle zu kriegen und hoffe, dass ich am 13. Mai als Finisher die Ziellinie in Essen überquere. Und mittlerweile ist es nicht mehr nur ein MUSS, mittlerweile will ich mir selbst zeigen, das ich die Zähne zusammenbeißen kann und diese Herausforderung meistern kann.

Es wird ein hartes Stück Arbeit, es ist noch ein weiter Weg und auf dem dürft ihr mich in Zukunft ein Stück begleiten.

Euer

Nils